Wer profitiert vom staatlich institutionalisierten Rassismus?
Jedes rassistische Gesetz findet seine Umsetzung in Institutionen und Unternehmen: Keine Lager und Heime ohne ihre BetreiberInnen, keine Gutscheine und Chipkarten ohne Herstellerfirmen und beteiligte Ladenketten, keine Abschiebungen ohne Fluggesellschaften! Der Staat lässt sich seine Ausgrenzungspolitik in der Regel einiges kosten und die meisten Unternehmen haben solange keine Skrupel von Rassismus zu profitieren, bis ihre Beteiligung öffentlich wird.
Diese Auflistung kann nur eine kleine und keineswegs umfassende Auswahl sein, zu viele haben ihre Finger im lukrativen Kuchen des Geschäfts mit der Ausgrenzung. Wir bemühen uns aber um die Aktualität der Beispiele und freuen uns über Infos von Euch, wenn wir wen Wichtiges übersehen haben sollten.

AWO/ Kreisverband Mitte [als Betreiberfirma der Erstaufnahmestelle Motardstraße und des Heims in Köpenick]:
Beschreibt sich selbst gerne als wohltätig und sozial engagiert. Diese Selbstbeschreibung wird empfindlich gestört durch das Betreiben der Motardstr. und den dort herrschenden miesen baulichen und hygienischen Zustände, und der isolierte Lage des Heimes an sich.
Auch hier sorgte erst jahrelanger Protest dazu, dass nun nach einem neuen Standort gesucht wird und dies nun auch schon sehr lange. An der Tatsache, dass ein Teil der Flüchtlinge nur dort eingewiesen wird, um sie so zu zermürben, dass sie freiwillig ausreisen, würde allerdings auch eine zentralere Lage rein gar nichts ändern!
Die Vollverpflegung lieferte lange Dussmann, jetzt hat das die Charité CFM Facility Management GmbH übernommen.

Außerdem betriebt die AWO eines der sechs vertragsgebundenen – und damit garantiert belegten Heime in Berlin in der Köpenicker Landstraße – Gütekriterien gibt es für diese Heime nicht. Die Angaben zum Leistungssatz (billigstes Heim in Berlin), Angeboten, Ausstattung und Renovierungsarbeiten sprechen aber eine deutliche Sprache, gerade was dieses Heim betrifft.

Billighotelbetreiber 123, Berliner Stadtmission und urban-social [betreiben nichtvertragsgebundene ‚Übergangswohnheime‘]:
Profitieren ganz aktuell davon, dass das Land Berlin keine adäquate Erstaufnahmeeinrichtung mehr hat und nur wenige Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht werden. Sie können ihre maroden Unterkünfte nun mit Flüchtlingen belegen, die in Doppelzimmern auch zu dritt oder viert leben müssen und lassen sich das Ganze teuer entlohnen.
In Marzahn (urban social) wirbt man ganz ungeniert damit, man sei ein ‚internationales Gästehaus‘ – in dem neben TouristInnen eben auch Flüchtlinge und Obdachlose zwangsuntergebracht werden.

Investplan GmbH [Heim in Marzahn, Degnerstr.]:
Besonders Familienfreundlich präsentiert sich dieser Betreiber, der es jetzt möglich macht, dass ganze Familien unter dem Paragraphen §1a ohne Bargeldanspruch zwangsuntergebracht werden, immerhin schon in 2-Raumwohnungen, statt dem sonst üblichen einem Zimmer.
Die Zwangsversorgung mit Essen, für all jene, die kein Geld zum freien Einkauf bekommen, übernimmt die R+Z Servicegesellschaft mbh.

Die anderen vertragsgebundenen Heime in Berlin:
• Diakonisches Werk [Heim in Kreuzberg/Zeughofstr.]
• Internationaler Bund [Heim in Marienfelde/Trachtenbergring]
• Hausverwaltung Wehner& Wehner GbR [Heim in Charlottenburg/ Wilmersdorf]

K&S [Flüchtlingsheime in Brandenburg, Thüringen, Niedersachsen]
Das Unternehmen K & S Sozial Bau AG mit Sitz in Sottrum bei Bremen beschäftigt mehr als 1500 Mitarbeiter und betreibt bundesweit über 16 Seniorenresidenzen. Firmengründer und Mehrheitsgesellschafter ist Dr. Hans-Georg Krantz. Der Umsatz liegt nach eigenen Angaben bei rund 60 Millionen Euro jährlich. In der Altenpflege ist K & S seit 1998 aktiv.
Vom Elend von Flüchtlingen zu profitieren und sich damit eine goldene Nase zu verdienen, das kann Firmengründer Krantz aber schon seit Anfang der 80er Jahre (vgl. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13494429.html). 1981 vom ehemaligen Oberleutnant der Bundeswehr als VUB („Verpflegung, Unterbringung, Betreuung“) gegründet, ist der Betrieb von Flüchtlingslagern lange der einzige Geschäftszweig von K&. Hier verdiente man sich das Geld, um sich heute mit Pflegeheimen (für die natürlich im Unterschied zu Flüchtlingsheimen Qualitätsstandards gelten) gesellschaftlich akzeptiert als soziales Unternehmen mit Anspruch zu präsentieren.
Ganz zufällig scheinen die wenigen Skrupel des Hauptaktionärs sein Geld am Elend von anderen zu verdienen, nicht zu sein: Schon sein Doktorvater Bossle war nicht nur Berater von Filbinger, sondern auch in offen antisemitischen und rassistischen Kreisen beheimatet (http://www.zeit.de/1995/35/Neues_von_einem_Herzblutsoziologen).

Immer wieder protestieren Flüchtlinge gegen die Zustände in den von K&S betrieben Heimen, so wie die berühmt-berüchtigten Dschungelheime Tramm und Peeschen in Mecklenburg-Vorpommern, die mittlerweile geschlossen sind, aber auch in Katzhütte in Thüringen und Meinigen/Niedersachsen. Aktuell ist K&S in den Schlagzeilen, weil das Unternehmen einen rassistischen Übergriff durch einen der Wachmänner leugnet, trotz mehrerer ZeugInnen und bewiesenem Alkoholkonsum des Täters.

Kontakt:
Dr. Krantz Sozialbau und Betreuung
Rotenburger Str. 1
27367 Sottrum
Tel. 04264/8309-0

Fluggesellschaften [wie AIR FRANCE, Aeroflot oder Lufthansa]:
Verdienen am lukrativen Abschiebegeschäft. Beispielsweise wurden am 30.11. und 6.12.2010 jeweils über 50 Menschen mit Aeroflot nach Vietnam abgeschoben, gegen ihren Willen und eine absolut ungewisse Zukunft.

Weiterführende Links:
Infos zu den Bedingungen der Heimunterbringung in Berlin (Februar 2011):
http://www.fluechtlingsinfo-berlin.de/fr/asylblg/Classen_AsylbLG_Wohnen_Berlin_200111.pdf

Infos zu den Heimen, deren Ausstattung und ‚Angeboten‘ (Stand April 2010)
http://www.linksfraktion-berlin.de/uploads/media/ka16-14224.pdf

Infos zu Belegungszahlen (Stand Januar 2010)
http://www.chipkartenini.squat.net/Archiv/aktionen/berichte/Motardstra%DFe%20-%20Materialien/ka16-14041.pdf

Infos zur Motardstr.
http://www.chipkartenini.squat.net/Archiv/aktionen/berichte/Motardstra%DFe%20-%20Materialien/Motardstr-Newsletter-3.pdf

Wir glauben keineswegs, dass es im Kapitalismus ein Zeichen für ein gutes Unternehmen ist, nicht direkt von Rassismus zu profitieren. Wir sind uns aber sicher, dass es dem Staat so schwer wie möglich gemacht werden sollte, Flüchtlinge und MigrantInnen auszugrenzen und zu schikanieren. Je weniger Unternehmen sich beteiligen, desto offener ist die staatliche Verantwortung erkennbar und desto schwieriger ist die Umsetzung der Sondergesetze für Flüchtlinge. Keinen Profit durch Rassismus! Gegen Sondergesetze! Für freies Fluten und ein freies Leben!